Kapitel 1.2: Erste berufliche Schritte

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Jaune stand an diesem Morgen früh auf, um direkt zur Bibliothek zu fahren. Ihr Kühlschrank war für ein ausgiebiges Frühstück ohnehin leer, also lief sie mit leerem Magen los. Am Vorabend hatte sie bemerkt, dass die Innenstadt gar nicht so weit von ihrem gemieteten Häuschen entfernt ist – also sparte sie sich das Geld für ein Taxi oder den Bus und machte einen Spaziergang.

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Nach etwa 15 Minuten flotten Schrittes durch die wunderschöne Gegend von Willow Creek erreichte sie schließlich die Bibliothek. Die Einrichtung war sehr modern, hell und freundlich.

Im hinteren Bereich der großen Eingangshalle entdeckte sie Carissa. Sie unterhielt sich ganz angeregt mit einem gut aussehenden Typen. Da Jaune nicht stören wollte, winkte sie Carissa lächelnd zu und ging dann zur Kaffeemaschine. Der Kaffee hier war gratis – wo gab’s denn sowas? Und erstaunlicherweise schmeckte er auch sehr gut. Jaune genehmigte sich zwei Tassen, bevor sie sich für ihren Plan wappnete, zu dem sie eigentlich hergekommen war.

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Sie scannte die Umgebung nach Mitarbeitern der Bibliothek ab. Hinter einem Schalter entdeckte sie schließlich Viktor mit den blauen Haaren. Hatte denn jeder in Willow Creek so ausgefallene Frisuren?

„Guten Morgen! Ich habe eine Frage.“ , sprach sie den Mitarbeiter an, der gerade die Treppe hochgehen wollte.
„Hi. Ich bin Viktor. Kann ich dir helfen?“ Er lächelte.
„Ich heiße Jaune. In der Zeitung habe ich gelesen, dass ihr ganz günstig Computer abzugeben habt. Steht das Angebot noch? Wie günstig wäre das denn?“
Viktor lachte. „Neu in Willow Creek, stimmt’s? Das ist eine Kampagne des neuen Bürgermeisters. Er will die Stadt wieder florieren lassen und erneuert hier so ziemlich alles. Aus Sponsorengeldern haben wir sogar neue Technik bekommen und können die alten PCs wirklich nicht mehr gebrauchen.
Komm mit, ich zeige dir die alten Computer.“

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Er führte Jaune die Treppe nach oben. Hier sah die Bibliothek noch schöner aus. Es gab sogar einen eigenen Bereich für Schachspieler – ihrem Vater würde es hier bestimmt gefallen. Auch wenn ihm die Einrichtung bestimmt zu kühl wäre. Sie versprach sich selbst, ihn nachher anzurufen.

Nachdem Viktor ihr die Computer gezeigt hatte, die wirklich alt und verstaubt aussahen, fragte Jaune nach dem Preis.
„Naja, die Dinger sind zwar alt, funktionieren aber noch tadellos. Und ins Internet kommst du damit auch. Was hast du denn damit vor?“
„Ich brauche hauptsächlich einen PC, um zu schreiben. Geschichten schreiben. Bücher. Stories…“. Jaune war in ihrem Element, als sie von ihren beruflichen Plänen erzählte.
„Ok, ok. Ich mach dir einen Vorschlag. Du kannst einen Computer mitnehmen – und sobald dein erstes Buch veröffentlicht ist, gehst du mit mir einen Kaffee trinken“, zwinkerte Viktor.
Jaune wurde rot. War das ein Flirt? Das hatte sie gar nicht beabsichtigt. Dennoch sagte sie zu und wollte den Computer später mitnehmen.

Vorher wollte sie sich ein bisschen in der Bibliothek selbst und in der Innenstadt bei strahlendem Sonnenschein umsehen. Vielleicht ließ sich ja so ein Job finden.
Sie suchte zunächst das schwarze Brett in der Bib ab. Leider passte kein Jobgesuch auf ihren Plan, als Schriftstellerin durchzustarten.

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Hinter der Bibliothek befand sich ein Park. Der See glitzerte in der Sonne und Jaune traf auf zwei Studenten, die gerade ihren Grill aufgebaut hatten. Sie kam mit den beiden ins Gespräch.
Elli studierte Archäologie und Tim Maschinenbau – Willow Creek war der ideale Ort zum Wohnen, da die Mietpreise so günstig waren und sie ideal zur Uni im Nachbarort pendeln konnten.

Die beiden waren so nett, Jaune zum Grillen einzuladen. Es war zwar noch später Vormittag, aber Studenten schienen auch um 11 Uhr einen guten Hot Dog nicht zu verschmähen. Da Jaune nichts gefrühstückt hatte, war sie sehr dankbar dafür. Sie bewunderte die Landschaft. Ihre Mutter würde es malerisch nennen. Sie würde sich auch mit einer Staffelei hier hinstellen, um jeden Hauch der Atmosphäre in einem großen Gemälde zu verewigen. Jaune vermisste sie.

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Sie verabschiedete sich von Elli und Tom, holte sich bei Viktor „ihren“ neuen PC ab und dackelte mit dem schweren Ding nach Hause. Für den Rückweg brauchte sie mehr als doppelt so lange und kam schließlich schweißgebadet an.
Eigentlich musste sie unter die Dusche. Doch sie wollte nur mal eben schnell den neuen Computer testen. Der Makler hatte ihr auch versprochen, dass sie im Haus einen Internetanschluss haben würde. Und genau den wollte sie testen – sie hoffte, dass die Jobbörse online vielversprechender sein würde.

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Beim Surfen stieß sie auf einen jungen Verlag, der nach Kurzgeschichten suchte. Die Bezahlung war mickrig, aber immerhin sah das nach einem ersten Schritt aus. Jaune kramte eine ihrer alten Geschichten, die sie auf ihrem Stick gespeichert immer bei sich trug, aus und sandte sie schließlich kurzentschlossen ab.

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Es war inzwischen später Abend und Jaune merkte die Müdigkeit in den Knochen. Sie watschelte förmlich ihre Veranda hinauf, erschöpft aber zufrieden. Das ist ein guter Tag gewesen, dachte sie sich.

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Für den Rest des Tages hatte sie nichts weiter geplant. Sie sprang schnell unter die alte Dusche und entschied, die restlichen Nudeln vom Vorabend aufzubraten.

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Nach dem Essen meldete sie sich wie geplant bei ihren Eltern. Es tat gut, die Stimme ihres Vaters zu hören.
Sie erzählte ihm von ihrem Tag.
„Wir vermissen dich, Spätzchen!“ sagte er ihr mit seiner warmen Stimme zum Abschied. Sie konnte sein Gesicht und die gütigen Augen förmlich vor sich sehen.
Sie schluckte den Kloß im Hals runter. Eine leichte Traurigkeit und eine kleine Träne konnte sie sich doch nicht verkneifen. Sie vermisste ihre Eltern, ihr Zuhause, mehr als sie gedacht hätte. Mehr als sie sich und jemand anderem eingestanden hätte.
Sie legte auf, wischte sich die Träne aus dem Gesicht und lächelte, um sich selbst wieder aufzumuntern. Sie wollte ihre Eltern stolz machen. Und morgen, morgen sollte ein neuer, ereignisreicher Tag werden.

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